Offener Brief der Hebammen des Geburtshauses Charlottenburg

 

In Deutschland gibt es keinen Mangel an Hebammen! Es gibt jedoch zu viele Hebammen, die ausgebrannt, ausgebremst und deprimiert ihre Arbeit niederlegen – insbesondere die Geburtshilfe. 

Seit Jahren läuft dieser leise, aber zunehmend bedrohlich werdende „Streik“:  Hebammen wehren sich gegen eine Klinik- und Krankenkassenpolitik, die ihre ökonomischen Interessen über Qualität und Sicherheit in der Geburtshilfe stellt. Der Trend, dass wenige Hebammen viele Frauen gleichzeitig in wenigen, großen Zentren betreuen, führt in eine Geburtshilfe, die für Frauen, Kinder und Hebammen immer gefährlicher wird.

In so einer Arbeitsatmosphäre sind es oft nur wenige Jahre, bis Hebammen enttäuscht, ausgebrannt und voller Selbstzweifel die Geburtshilfe verlassen – meist für immer.

Viele Hebammen werden schon in der Ausbildung und spätestens beim Berufseinstieg geprägt von dieser ökonomisierten Klinik-Geburtshilfe, in der sie eine stetig wachsende Pathologisierung von Schwangeren, Gebärenden und Neugeborenen erleben. Die Weichenstellung für den „Hebammenmangel“ geschieht schon dort. 

Gleichzeitig existieren in Deutschland von Hebammen geleitete Einrichtungen (HgE´s), die

aufgrund der starken Nachfrage und der fehlenden Hebammen nur einen Bruchteil ihres Klientel versorgen können.

In den HgE´s wird eine Geburtshilfe praktiziert, die auf Sicherheit setzt und auf qualitativ sehr hohem Niveau ist. Eine Erkenntnis, die der GKV Spitzenverband mit Unterstützung des MDK, dem Bund der Krankenkassen e.V. und den Hebammenverbänden schon 2011 in einer Pilotstudie formuliert hat.

Wir fragen uns inzwischen, ob der GKV entgegen seiner eigenen Studie den offenbar politisch und ökonomisch motivierten Willen durchzusetzen versucht, die Hebammen-Geburtshilfe in Deutschland durch inhaltliche und wirtschaftliche Auflagen unmöglich zu machen.

Soll die Hebammen-Geburtshilfe zukünftig unter ärztliche Kontrolle gestellt werden? Die Wahlfreiheit des Geburtsortes sich beziehen auf die Wahl verschiedener Kliniken?

Hebammen kämpfen in vielen Bereichen um ihren Beruf und um eine Hebammen-Geburtshilfe: sie sind im Wissenschaftsbetrieb etabliert, vermitteln an Schulen der nachfolgenden Generation ein Selbstverständnis für die „normale“ Geburt, sie werben in Politik und Öffentlichkeit um Aufmerksamkeit und engagieren sich in Verbänden und Netzwerken für Einigkeit und Stabilität.  

Und es geht nicht nur um die praktische Hebammen-Geburtshilfe allein.  HgE´s schaffen Arbeitsplätze, die der verantwortungsvollen und schweren Arbeit einer Hebamme angemessen sind:  In allen Fragen der Einarbeitung, der Dienst-, Urlaubs- und Auszeitenregelungen und des QM, sind wir genauso gut, und z.T. besser aufgestellt als eine Klinik.

Und was bleibt von alledem?

Trotz aller Bemühungen, das große Ganze zu verändern und zu retten, sterben wir Hebammen, die eine Hebammen-Geburtshilfe ausüben können und wollen, schleichend vor den Augen einer mitfühlenden und empörten Öffentlichkeit aus.

Liebe Hebammen, wir sind noch hier und wir brauchen Euch jetzt, um diesen ungeheuerlichen Kampf gegen das Aussterben der Hebammen-Geburtshilfe zu gewinnen! Stellt Euer enormes Wissen, Eure Ideale, Eure Kraft, Eure Leidenschaft und Euren Mut der Hebammen-Geburtshilfe zur Verfügung.

Hebammen-Geburtshilfe könnt ihr euch nicht anlesen, ihr müsst sie tun!

Meldet Euch bei unseren Workshops an, erkundigt Euch bei den HgE´s in Eurer Umgebung nach dem Einstiegskonzept, macht Eure Externate in Geburtshäusern oder bei Hausgeburtshebammen; Ihr seid direkt nach der Ausbildung oder dem letzten Studienjahr in den HgE´s willkommen. Und auch wenn Ihr viele Jahre keine Hebammen-Geburtshilfe ausüben konntet, unterstützen wir Euch nach Kräften bei Eurem Wiedereinstieg.

Wir rechnen fest mit einer politischen Umsteuerung in diesem Jahr – deshalb lohnt sich unser aller Einsatz!

  

Das Team des Geburtshauses Charlottenburg

Berlin am 31.01.2017 

 

 

Wir unterstützen die Hebammenausbildung und vergeben über das ganze Jahr hinweg Praktikumsplätze (Externat und Praktikum), auf die sich Hebammenschülerinnen und Vorpraktikantinnen bewerben können. Auch wenn wir mit mehreren Hochschulen zusammenarbeiten, gibt es immer wieder einzelne Plätze, die wir frei vergeben.

In den nunmehr 31 Jahren Tätigkeit hat das Geburtshaus Charlottenburg natürlich eine Reihe von Kooperationen aufgebaut. Wir freuen uns sehr über langjährige Kooperationspartner aus ganz verschiedenen Feldern.